liebes schicksal.

denken das man versteht. das man die kontrolle hat. um im nächsten moment den kopf tief in die schüssel zu stecken. der boden unter den füßen weggezogen.
das schicksal hat nur kurz piep gemacht. um dich hinterrücks mit höchstgeschwindigkeit zu überfahren. und mit einem krachen den rückwärtsgang einzulegen um dir den rest zu geben. zwei. dreimal.
es geht rasend schnell. bam. zurückgeworfen ins jetzt. um das zu tun was nötig ist. aber was kannst du tun. ausser entscheidungen zu treffen. und eier zeigen. das schicksal ist so. und davonlaufen ist nicht. nicht mehr. es sind deine arme die jetzt halt geben. deine vernunft. deine kontrolle. nur die angst ist für dich allein. ein kurzer gedanke an flucht.
ich sitze still im wagen. beobachte die vorbeifliegenden lichter. zähle unruhig die fragen. deine fragen. liebes schicksal. die du mir stellst. die, die niemand kennt. und deren antworten in der zukunft gefangen sind.
wie geht es dir. und dein lächeln ist die faust in schicksals gesicht. und in meins.

zehn minuten.

zehn minuten. mehr müssen als wollen. was sind zehn minuten. fünf weniger als eine viertel stunde. ich will mehr. wollen. zehn minuten sind ankommen. und setzen. genießen beginnt hier. zehn minuten. wieso zehn minuten.

schlaues mädchen.

wir kennen uns nicht. vom hörensagen. und doch sind die bücher weit offen. meins jedenfalls.
„dann setz dich doch woanders hin“
ich wollte euch nicht treffen. wollte mich verlieren in digitalismus. allein.
du hast mich durchschaut. oder konnte ich es nicht verbergen. das verlangen nach freiheit und bedenkenlosigkeit.
du hast mich durchschaut. meine karten gelesen. die regeln gebrochen. und klar kommuniziert.
diese direktheit imponiert mir. weckt die frage nach dem warum. nach der einfachheit dieses satzes.
danke dafür. und entschuldige das überhören.

look after you.

schnee lässt die wirklichkkeit unwirklich erscheinen. nur das knirschen unter meinen sohlen scheint mir vertraut. ich weiß nichtmal ob du noch hier wohnst. das schild neben der klingel zeigt das einzig vertraute, sein unschuldiges weis. eine sekunde der vergangenheit.
was heißt es hier zu sein. zurückzukommen. was heißt es nicht zurückzuschauen. zu vertrauen und mutig zu sein. was heißt es sich zu kümmern. was bedeutet das alles.
der finger berührt den knopf. leises schellen. warten. und das rasseln des türöffners. mit einem schritt mache wandle ich die vergangenheit zur realität.
„come back to me and i’ll come back to you,
that’s something we don’t always do“
(hot chip – look after me)

freiraum.

emotional gesehen der platz zwischen erwartung und
realität. ein blick. directors cut der vergangenheit. momente des
seins. und die antwort. ein versprechen. ein befehl.
freiraum.

zwang.

zwingen. gezwungen werden. gezwungenermaßen. saß ich fest. gefangen in betten. an monitore. schläuche. und nadeln. nächte der fragen. der einsamkeit. schlaflosigkeit.
ich wurde gezwungen von meinem körper. gezwungen die rechnung zu zahlen. manchmal ist es gut. manchmal notwendig. und manchmal muss es sein. manchmal nicht.
ich werde das leise piepen der infusion nicht so leicht vergessen. den grellen alarm der überwachung. die gedanken und gefühle. den zwang von ‚ok‘ und ‚alles ist gut‘.
ich wurde gezwungen. einmal. es geht mir gut.

unerhört.

„wer bist du?“ frage ich dich schon fast flehend. allerdings ängstlich vor der antwort.
du erklärst mir deine welt. von liebe und so. davon du selbst zu sein. zwängen zu entgehen. einfach auf der anderen seite zu sein.
die andere seite. die an erwartungen rüttelt. in frage stellt. gut so.
erwartungen definieren die welt. irgendwie. machen dich zu dir. mich zu mir.

anhimmeln - to01
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alte muster zu verlassen ist schwierig. erwartungen zu ignorieren auch schwierig. die seite wechseln. schwierig. auf dem schmalen grad des selbstverrats nicht abzustürzen. schwierig.
„ich kannst dich nicht enttäuschen, nur überraschen.“ deine rechtfertigung. oder antwort. ich brauche tage um zu verstehen.
aber die frage bleibt. „wer bist du?“

bargespräche.

der eckplatz in einer bar ist doch wirklich deluxe. ja. der am fenster. totaler überblick über den laden und auch die strasse ist gut zu sehen. wichtig.
vor mir ein witziges trio aus dorfschönheit. nerd. und h&m fetisch boy.
sie. blond. blauäugig. mit der figur einer abgemagerten madonna. hat sie eindeutig den unschuldigen blick und will endlich horizonterweiterung erfahren. lebt in ihrer „titanic“ phantasie der wahren liebe. liebes. das ist die stadt. das ist sünde. und irgendwie kaufe ich ihr die unschuldsnummer nicht ab. nicht diesen lippen.
der nerd. topfschnitt. kurzzeitig neide ich volles haar. typische körperstatur und ein herr der ringe shirt. was auch sonst. gollum ist sein star. und das muss er auch jede minute sagen. er sitzt ihr gegenüber und weiß einfach mal nichts mit dem weiblichen geschlecht anzufangen. der hobbit.
der h&m junge. dünner als sie. was an misshandlung denken lässt. man. und ich bin schon wenig. hat modelhaare. der baumwollshirtvausschnitt zeigt seinen bauchnabel. aber zum glück sehe ich ihn nur einmal von vorn. dazu aber hochgeklappter jackenkragen als er geht. er muss noch viel lernen. jedoch deutlich aufmerksamer als der nerd. er weiß warum er da ist.
rein optisch gehen h&m liebchen und dorfschönheit zusammen nach hause. doch sehe ich mehr chancen für den nerd. den er sagt wenigstens mal was.
und bäm.
der nerd macht den fehler des abends. fängt an leo schlecht zu machen. zu reduzieren. auf titanic und irgendso nen film den keiner kennt. und den vergleich hätte wohl gollum auch bei 2 milliarden anderen menschen verloren. er kann ja „departed“ und „inception“ nicht kennen. er hängt immernoch bei der 2345 wiederholung von „die drei türme“. und elbische verben sind nicht seine stärke.
das wars für dich junge. aber halb so wild. du hast eh nicht gewusst worum es geht.
nämlich.
es geht um das stete anbiedern von sologirls. das austauschen von köpersäften nach quote. qualität spielt da meistens keine rolle.
es ist die zeit von studienanfängern. die lullis. kann nicht glauben das wir so waren.

dein buch.

du schaust in deine vergangenheit. fragst dich nach dem warum. warum?
die vergangenheit erzählt dir ihre geschichte. deine geschichte. die dich zu dem gemacht hat wer du bist.
du hörst liebe und glück. erlebnisse und tragödien. du hörst makel und zweifel.
den ganzen scheiss.
und alles was du tust, ist darin zu kramen. schlüsse zu ziehen und veränderung zu schwören.
wozu?
es ist nicht möglich am rad der zeit zu drehen. oder es anzuhalten. ich habe es selbst versucht.
aus fehlern haben wir gelernt. und die makel formten unseren charakter. es war nichts sinnlos. oder falsch.
es ist jetzt. und gestern ist lange her. die vergangenheit ist dein buch. aber darin leben solltest du nicht.

der vorleser.

es war unsere erste gemeinsame nacht. die nicht zusammen begann und mit „und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ endete.
es war schon lange hell als ich das buch zur seite legte. dir liebevoll kindlich einen kuss auf die stirn gab. und dir die bettdecke fürsorglich bis unter das kinn zog. ich löschte das licht und verlies das zimmer im schmalen schein der morgensonne.
ich erinnerte mich an meine kindheit. und suchte nach dem tag, an dem ich das letzte mal etwas vorlas. es scheint unendlich lang her zu sein.
ich fühle die wohlige wärme der worte. die sicherheit und liebe die sie mir gaben. bis ich schließlich eins mit der geschichte wurde und schlief.
als ich die wohungstür leise hinter mir zuzog wünschte ich mir, dass ich dir einen teil dessen geben konnte. genoss den gedanken der tat. und ging.